Lage & Markung: Gemeinde Ötisheim

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Lage & Markung

Pfarrer Nicolai, der von 1732 bis 1783 in Ötisheim tätig war, beginnt seinen Bericht über Ötisheim aus dem Jahre 1774 mit folgender Einleitung:

„Ötisheim mag von alters und von seinem Ursprung an Eidexheim (ist gleich der Eidechsen Heimat) geheißen haben, denn der Ort liegt an einem südliche Hügel wie ein Amphitheatrum, wo einmal viele Eidechsen sich aufgehalten haben mögen. Die Eidechse (mundartlich „Aitsa“ [bzw. "Aitse", "Aitze", "Aitza", "Aiza", "Aize"]) setzt wohl den Ortsnamen volksetymologisch um.

Der Ort hat die angenehmste Situation, liegt am so genannten Erlenbach, welcher wegen der häufig daran wachsenden Erlen von alters her so genannt wird, davon eine, eine halbe Stunde entlegene, hierher gehörige Mühle, dabei noch neun Familien zu wohnen legitimiert sind, den Namen hat, hat gegen Morgen Vaihingen, gegen Mittag Pforzheim, gegen Abend Bretten und gegen Mitternacht Maulbronn. Ist der äußerste Grenzort gegen den Baden-Durlachischen, wie den Baden-Durlach die hohe Jagd bis an unser Untertor zu exerzieren hat. So beträchtlich der Ort ist, so ist zu bedauern, dass er in manchen Landkarten gar nicht, in manchen aber unter ganz anderen Namen „Ettlinschieß“ gleichwohl aber großgedruckt, gefunden wird.“

Teilortsumgehung Ötisheim

Durch die im August 1993 fertiggestellte Teilortsumgehung Ötisheim im Zuge der Landesstraße 1132 muss der überörtliche Verkehr jetzt auch nicht mehr wie früher durch den Ort „hindurchholpern“, sondern wird jetzt elegant um diesen herumgeführt. Dies war gleichzeitig auch der Auslöser von zwischenzeitlich durchgeführten umfangreichen Sanierungsmaßnahmen innerhalb des historischen Ötisheimer Ortskernes, wobei nicht nur die früheren Durchgangsstraßen und heimeligen Seitengassen dorfgerecht ausgebaut wurden, sondern auch viele Privateigentümer ihre Anwesen mit Mitteln aus dem Sanierungstopf des Landes auf Vordermann gebracht haben.

Eine verkehrsmäßige Gunst zwischen Enztal, durch das schon eine alte Römerstraße nach Pforzheim führte, und der alten Kaufmannstraße, die von Stuttgart über Vaihingen und Bretten nach Frankfurt zog, hat die Entwicklung des Ortes schon vor Jahrhunderten nachhaltig und vorteilhaft beeinflusst. Allerdings hat diese Verkehrsgunst in Kriegsjahren auch verheerende Folgen für Ötisheim gehabt.

Klimatisch eine bevorzugte Lage

Klimatisch besitzt der Ort eine bevorzugte Lage, und schon Pfarrer Nicolai berichtet im Jahre 1774: Das Land liegt im Segen, es wächst hier alles, was zum menschlichen Leben nötig ist im Überfluss zum Teil, zum Teil zur Genüge.“ Er fährt fort: “Von Unglück durch Hagelwetter weiß man gottlob nicht viel. Der Ort ist so situiert, dass die meisten Gewitter vorbeiziehen. Ein Berg gegen Nordwesten (Eichelberg) wendet viele ab oder zerteilt sie.

Der Enzfluss und der Hagenschieß südwärts ziehet viele an sich, hierdurch gehet uns manche Gefahr vorbei, aber auch in dürren Sommern mancher fruchtbare Regen ab.“ In dieser klimatisch ausgeglichenen Zone konnte sich bis heute eine gute und leistungsfähige Landwirtschaft erhalten, während daneben aus der verkehrsgünstigen Lage auch die örtliche Wirtschaft ihren Nutzen ziehen kann.

Ötisheim Geologisch

Geologisch findet man Ötisheim gänzlich außerhalb der das Enztal weithin bestimmenden Muschelkalk-Formationen. Es gehört vielmehr ganz der Formation des Keupers an und wird im Norden und Nordosten begrenzt durch die Schilfsandsteinhöhlen des Eichelberges und des Sauberges, den letzten Ausläufern des Stromberg-Gebietes.

Die Ötisheimer Markung ist zerteilt durch die Furche, die den Erlenbach gegraben hat, zwischen diesem Talgrund und den Schilfsandsteinhöhlen besteht ein Höhenunterschied von ca. 80 Metern. Wie Schmiebach, Metter- und Kirrnbach, die ihren Weg ebenfalls in West-Ost-Richtung durch Keuperformationen suchen müssen, weist auch der Erlenbach ein sehr geringes Gefälle auf, was teilweise zur Vermurung und Versumpfung des Talbodens führte.

Entgegenwirkende Kulturmaßnahmen in den letzten Jahrzehnten haben diesen Zustand jedoch weitgehend behoben, wodurch den früher nicht seltenen Hochwassergefahren weitgehend ein Ende gesetzt wurde. Mit zwischenzeitlich noch 1427 Hektar Markungsfläche und rund 4800 Einwohnern gehört Ötisheim eher zu den kleineren Gemeinwesen des 1973 entstandenen Enzkreises. Auf der anderen Seite zeigt diese doch recht stattliche Markungsgröße auch an, dass Ötisheim ein sehr alter Ort sein muss. Den letzten großen Zuwachs dürfte die Gemarkung bald nach dem Jahre 1100 erfahren haben, als der Ort Thailfingen, zwischen Enzberg, Dürrn und Ötisheim gelegen, unterging.

Die Verluste, die Ötisheim durch die Gründung der Waldensersiedlungen nach dem Jahre 1699 erlitt, wurden durch die Eingliederung von Schönenberg im Jahre 1924 wieder ausgeglichen. 100 Hektar Markungsabgabe an die große Kreisstadt Mühlacker waren im Zuge der Gemeindereform schließlich der Preis für den Erhalt der politischen Selbstständigkeit.

Über 400 Hektar Gemarkungsfläche sind seit Jahrhunderten waldwirtschaftlich genutzt, wovon bis heute die ausgedehnten Laub-Mischwälder vor allem in den nördlichen und westlichen Markungsteilen zeugen. Von längst vergangenen Tagen erzählen uns auch die Flurnamen wie z.B. Thailfingen (bereits 883/884 erwähnt als Dagelfingen im Urkundenbuch des Klosters Lorsch), Hägenach, Kolbenhausen, Bruch, Herdwiesen, Böser Grund, Schafstrieb, Hofäcker, Wollmannsäcker, Wuhlenäcker, Allmand, Fleckenäcker, Lange und Kurze Dorfäcker. Sie geben uns wichtige Hinweise auf die Siedlungsgeschichte (zum Beispiel Thailfingen) auf früheren Ortsadel (zum Beispiel Hof-äcker) auf örtliche Besitzverhältnisse (zum Beispiel Wollmannsäcker, Wuhlenwiesen, Allmand) auf Bodenverhältnisse (zum Beispiel Bruch, Böser Grund) sowie auf die dörfliche Wirtschaft schlechthin (zum Beispiel Herdwiesen, Schafstrieb) der Gemeinde Ötisheim.

Gehen Flurnamen nicht auf abgegangene Siedlungen zurück, sind sie vom hart schaffenden Volke geprägt worden und entsprechend seiner nüchternen und praktischen Wirklichkeitseinstellung und Denkweise. Es kommt ihnen daher stets ein großer Aussagewert zu, auf den kaum eine Ortsgeschichte verzichten kann.